Geschichte der weihestatte in Máriapócs

Theotokos Máriapócs

Eine berühmte und zugleich am meisten besuchte Weihestätte Ungarns befindet sich in der Stadt Máriapócs, die beliebtes geistiges Zentrum für griechische Katholizität des Karpatenbeckens und Mitlied des „Europäischen Marianetzes“ ist. Jährlich besuchen 600- bis 800 Tausend Pilger und Touristen unsere durch das Bildnis Unserer lieben mit Recht berühmt gewordene Kirche.

Der Name der Siedlung taucht zum ersten Male im 13. Jahrhundert in den Schriften früherer Zeit auf, jedoch damals ohne den Vornamen Maria, zuerst als Urbar der Familie Báthory und einige Jahrhunderte später der Familie Károlyi. Die Bedeutendheit der nicht zu berühmten Gemeinde beginnt im Jahre 1696, in einer kleinen Holzkirche der hier lebenden griechischkatholischen Gemeinde. Ein Gläubiger der Kirchengemeinde, namens László Csigri, hat aus Dankbarkeit wegen der wunderbaren Befreiung von türkischer Gefangenschaft unternommen, das unentbehrliche Bildnis der Muttergottes auf der Ikonostase malen zu lassen. Der Vollender seiner edlen Absicht war der jüngere Bruder von örtlichem Messpriester István Papp, der um einen Preis von 6 ungarischem Forint das Ikon mahlt. Hier können wir sehen, dass wir weder im Aufraggeber noch im Maler den weltlichen oder kirchlichen berühmten Mäzen oder Schöpfer suchen müssen. Am 4. November 1696 wurden die an der heiligen Liturgie teilnehmenden Gläubigen darauf aufmerksam, dass aus beiden Augen der Muttergottes am der Bilderwand die Tränen ergiebig fließen. Das außerordentliche Ereignis setzte die Anwesenden in Verwunderung, dann in den kommenden Tagen kamen Leute in der Kirche an, unter ihnen kaiserliche Offiziere, Beamte und Gläubiger anderer Religionen. Das Tränen dauerte ohne Pause zwei Wochen lang, dann mit kurzen Unterbrechungen ganz bis zum 8. Dezember. In diesen Tagen erschien in Pócs mit seiner Begleitung der österreichische General Graf Corbelli, der die Unversehrtheit des Bildes prüfte und die ablaufenden Tränen selbst mit einem Tuch trocken ließ. Er ließ die Untersuchungen durch anderen durchführen, unter denen es auch Lutheraner und Kalvinisten gab. Die kirchliche Untersuchung wurde durch Bischof von Erlau verordnet und aus den am Ende des Jahres begonnen Zeugenvernehmungen resultierend sechsunddreißig Menschen sagten gleichlautend die Authentizität des Tränens aus und versicherten das eidlich. Die Eidsablegungen und das Zustandkommen von unterzeichneten Protokollen lenken unsere Aufmerksamkeit auf einen sehr beherzigenswerten Umstand. Unter den Untenzeichnenden finden wir auch protestantische Gevatterleute. Dies ist dann ein erhebend erschütterndes Ergebnis, wenn wir berücksichtigen, dass diese nicht eine Epoche für die unser Zeitalter charakterisierenden ökumenischen Gebetswochen ist, als die Glauben einander unterstützend Christi in der Welt zu erscheinen versuchen. Die Protokolle über die Verhandlungen finden wir in der Universitätsbibliothek zu Budapest, in der Hevenesi-Sammlung.

Die Gerüchte über die wundervollen Ereignisse pflanzten sich auch trotz der Unentwickeltheit der zeitgenössischen Nachrichtenübermittlung schnell fort, so gelangten sie sehr bald in den Wiener Hof. In dieser Geschichtsepoche hat Leopold I. Kaiser Österreichs und König Ungarns auf Auswirkung der erfolgten Ereignisse – und nicht zuletzt auf den kräftigen Wunsch seiner Frau, Kaiserin Elisabeth verordnet, dass das tränende Bild in die kaiserliche Stadt geliefert werden muss.

Trotz dagegen, dass in uns wegen der Entscheidung des Kaisers eine starke Leidenschaft erweckt, das Bild konnte ja in seiner Wunderlichkeit in Pócs unter seinen viel gelittenen Gläubigen nicht einmal geworden sein, können wir zu seiner Verteidigung eine wichtige Sache erwähnen. In seiner Handlung führte den Kaiser nicht der die Okkupanten in allgemeinen charakterisierende Zynismus der Räuberei, sonder seine Verbundenheit mit der Muttergottes. Ein schöner Beweis dafür ist, dass er den Erfolg der das Schicksal der Türken besiegelnde Schlacht in Zenta der Beihilfe der in Pócs tränenden Gottesgebährerin beilegt.

Mit einem Festzug wurde das Bildnis aus Pócs das Land hindurch nach Wien gebracht. Es kam in Wien am 4. juli. 1697 an und gelangte einige Wochen später in den Stephansdom in Wien an seine endgültige Stelle. Am Marmorbaldachinaltar des südlichen Schiffes des Doms finden wir es auch heute, wo es bis heute eine große Ehre genießt. Was zur Freude der Wiener wurde, wurde zur tiefen Traurigkeit der Pócser und der Nation. Der berühmte Aufsetzer dieses schmerzhaften Gefühls ist der Fürst Ferenc Rákóczi II. der die durch unser Land erlittenen Beschwerden in den anklägerischen Punkten gegenüber dem Kaiser zusammenfasste und unter diesen Bitten erwähnte, dass das Bildnis der tränenden Muttergottes zurückgegeben sollte. Diese Bitte ging nicht in Erfüllung, doch wurde im gewissen Sinne auch grundlos. Von dem Ikon wurden bald Abbilder gemacht, die sowohl in Ungarn als auch auf dem deutschen Sprachgebiet in großer Anzahl auffindbar sind. So ein Abbild gelangte an die Stelle des ursprünglichen Bildnisses auch hier in Máriapócs Weder das originale Bild noch die von dieses gemachten Abbilder tränten später, ausgenommen das Abbild, das nach Pócs gelangte. Am 1. August 1715 machte der junge Paroche Mihály Papp den Morgengottesdienst, als der Kantor das Tränen des Bildes merkte. Das mehrere Stunden lange Fluten der Tränen haben mehrere Hunderte am 1., 2. und 5. August gesehen. In die auf das wunderliche Ereignis kommenden Tage hat der Bischof von Erlau, Antal Gábor Erdődy, amtlich die Geschehnisse untersuchen lassen. Das Protokoll über die Aussage der Augenzeugen beglaubigt ohne Zweifel die Authentizität des Tränens. So eine Zeugenaussage ist an der Wand des Schiffes des Gnadenaltars zu finden.

Das neuere Ereignis der Weihestätte Máriapócs, das dritte und zugleich letzte Tränen des Gnadenbildes begann am 3. Dezember 1905. Der Ordensgeistliche Kelemen P. Gávris führte Pilger in die Kirche. Als er die Fassung des Bildes öffnete, merkte, dass das Gesicht der Muttergottes dunkler als gewöhnlich ist, aus ihrem rechten Auge rollten Tränen herunter.
Dieses wunderliche Ereignis dauerte mit kleinen Unterbrechungen bis zum letzten Tag des Jahres. Die Tatsache des Tränens wurde durch weltlichen und kirchlichen Ausschuss untersucht und die Authentizität des Tränens festgestellt. Eines der die Tränen auffangenden Seidentücher ist bis heute unter dem Gnadenbild sichtbar.

Nach dem zweiten Tränen konnte die Holzkirche wegen der zunehmenden Anzahl der Pilger nicht mehr die Wallfahrer empfangen, daher war das Erbauen einer neuen Kirche begründet. Die Bauarbeiten hat der vorstehende Basilianer Ordenspater György Gennadius Bizánczy begonnen und setzte diese der Bischof Manuel Mihály Olsavszky fort und begann die Bauarbeiten des heute bestehenden Klosters auch.

Die zu Ehre Sankt Michel eingeweihte gegenwärtige Kirche wurde im Zeitraum von 1731 bis 1756 im Baustil Frühbarock erbaut. Die zwei Türme mit Zwiebelkuppel wurden durch die Überhöhung der früher gebauten Kuppeln im Jahre 1856 fertig gestellt. Trotzt dagegen, dass die Türme um so viel Zeit später an ihre Stellen gelangten, finden sie mit dem früher gebauten Schiff eine riesige harmonische Einheit, so strahlt sie auch in ihrer von der Ferne auffallenden Kirchenform die friedliche Schönheit Gottes aus. Das Äußere der Kirche wurde 1893-96 beziehungsweise 1991 rekonstruiert. Ihrem einschiffigen durch ein Kreuzschiff mit bogenförmigem Abschluss erweiterten Innenraum schließen sich ein Paar Türmen der Westfassade und ein Rundbogensanktuar an. In der Gruft unter dem vor dem Chor von Norden nach Süden rechtwinklig kreuzenden Querhaus ruhen griechisch- katholische Bischofe, Priester und Spender.
Die Ikonostase wurde zwischen den Jahren 1785-88 gebaut, ihre Bilder wurden 1896 durch neue ausgetauscht. Der Gnadenaltar und das Heilige-Kreuz-Altar wurden im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts fertig gestellt. Dann wurden sie am Ende des 19. Jahrhunderts und im Jahre 1945 zusammen mit dem um Wende der 18-19. Jahrhunderte gefertigten Altar des Basilius der Große umgebaut. Zu dieser Zeit gelangte das Gnadenbild von der Ikonostase an seine gegenwärtige Stelle. Das Ausmahlen der Kirche mit künstlerischen Bildern haben József Boksay und Emanuel Petrasovsky in den Jahren 1944-45. durchgeführt. Im Jahre 1948 hat der Papst Pius XII. der Gnadenkirche in Máriapócs den Titel Basilika minor verliehen.

Der hocherhabene Tag der Stadt Máriapócs und der ungarischen griechischen Katholizität war der 18. August 1991. Da hat der Ungarn besuchenden Papst Johannes Paul II. seligen Angedenkens vor dem Gnadenbild in ungarischer Sprache in Anwesenheit mehrerer Hunderttausende von Gläubigen eine heilige Liturgie in byzantinischer Zeremonie geführt. Zum Andenken dieser päpstlichen Wallfahrt wurde das neue Bronzetor der Basilika gebaut, auf dem die leitenden Persönlichkeiten unserer Kirche und die packenden Szenen dieses Besuch eine Stelle fanden. Das Ungarische Katholische Episkopat hat am 1. Dezember 2005 die Stadt Máriapócs für eine nationale Weihenstätte erklärt. Das davon lautende Dekret wurden vom Kardinal Dr. Péter Erdő, Vorsitzender des Episkopats – als außerordentlicher Versandte unseres Papstes Benedikt XVI-am 3. Dezember verkündet und dann für Obhut der Tränenden Muttergottes von Máriapócs unsere Heimat und Kirche empfohlen. Der Herr Kardinal brachte im Rahmen der Feierlichkeit an der Glorie des erneuten Gnadenbildes die seitens des Papstes Benedikt eingesegnete Goldkrone an.